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Schmerzen? Nicht lange warten! 20.04.2020

Chronische Beschwerden: Wenn der Schmerz zur Krankheit wird

Schmerzen sind ein sinnvolles Warnsignal unseres Körpers. Sie zeigen uns, wo eine Reizung, Wunde oder Entzündung entstanden ist und weisen auf Grenzen hin, wenn wir unachtsam mit unserem Körper umgehen. Wenn der akute Schmerz sein lebenswichtiges Warnsignal verloren hat und dauerhaft besteht, verselbständigt er sich oft und entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Prof. Dr. med. Christoph Wiese, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerzmedizin in der Stiftung Herzogin Elisabeth Hospital, erklärt, wie die Multimodale Schmerztherapie Patienten helfen kann, deren Lebensqualität durch Schmerzen stark beeinträchtigt ist und andere Schmerztherapien, Operationen oder Medikamente nicht dauerhaft helfen konnten.

Bestehen Schmerzen länger als drei Monate, sprechen Mediziner von chronischen Schmerzen. „Es gibt chronische Schmerzen mit bestimmter Ursache, wie die Gelenkarthrose, die trotz langer Dauer verschwinden, wenn die Ursache wie in diesem Beispiel durch ein Kunstgelenk behoben wird“, erklärt Prof. Wiese. „Es gibt aber auch chronische Schmerzen, die weiter bestehen, obwohl ihre eigentliche Ursache beseitigt ist.“ Als typisches Beispiel nennt der erfahrene Schmerzmediziner die Operation bei chronischen Rückenschmerzen. „Auch wenn der Eingriff erfolgreich verlaufen ist, bleiben die Schmerzen häufig bestehen, weil sie sich längst verselbstständigt haben.“

Behandlung mit multimodalem Therapieansatz
Werden Schmerzen in der Akutphase nicht ausreichend therapiert, besteht die Gefahr der Chronifizierung. Hier gilt: Je früher bestehende Schmerzen optimal behandelt werden, desto besser ist die Erfolgsaussicht für eine dauerhafte Schmerzreduktion. Prof. Wiese: „Wenn der Schmerz dann aber doch zu einer chronischen Schmerzerkrankung geworden ist, setzen wir auf eine interdisziplinäre Behandlung mit verschiedenen Verfahren und bieten unseren Patienten eine multimodale ganzheitliche Schmerztherapie – sowohl ambulant als auch stationär – an.“ Ärzte, Pflegekräfte, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen mit spezieller Ausbildung erarbeiten gemeinsam ein auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten maßgeschneidertes Therapiekonzept, das ständig an die Behandlungsfortschritte angepasst wird. Dabei beurteilt jeder beteiligte Experte die Erkrankung aus seinem fachlichen Blickwinkel. „In unserem multimodalen schmerztherapeutischen Konzept verfolgen wir einen ganzheitlichen und patientenindividuellen Behandlungsansatz, der neben körperlichen Gegebenheiten und Problemen, auch Gefühle und soziale Verflechtungen berücksichtigt. All diese Aspekte, das sogenannte bio-psycho-soziale Modell, tragen dazu bei, dass eine Schmerzerkrankung bestehen kann“, erklärt der Leiter des Schmerzzentrums.

Das primäre Ziel dieser multimodalen ganzheitlichen Schmerztherapie ist dabei nicht die Schmerzfreiheit, sondern das Erkennen von Möglichkeiten einer positiven Schmerzbeeinflussung und das Erarbeiten von Konzepten zur Fortsetzung dieser positiven Aspekte im Lebensalltag. „Denn in der Summe helfen diese Behandlungen – Schmerzfreiheit wäre ein falsches Versprechen, so Prof. Wiese. „Haben sich chronische Schmerzen jahrelang ins Schmerzgedächtnis „gefressen“, lässt sich dieses nicht binnen 15-18 Tage – so lange dauert der stationäre Aufenthalt – löschen.“ Aber: Die Patienten verlassen das HEH mit weniger Schmerzen. Die Therapie ist zudem so angelegt, dass sie zu einem großen Teil zu Hause fortgesetzt werden kann.

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