Erkrankungen im Bereich des Vorfußes können zahlreiche Ursachen haben - es gibt sowohl anlagebedingte als auch erworbene Erkrankungen. Von besonderer Bedeutung in dieser Region sind Zehenfehlstellungen, Fehlstellungen oder Verkürzungen der Mittelfußknochen und Instabilitäten zwischen den Mittelfußknochen und den Fußwurzelknochen. Indiz für die Häufigkeit dieser Erkrankungsbilder ist, daß sich immer mehr Ärzte auf diesen Bereich spezialisieren.
Beschwerdesymptomatik
Viele Betroffene suchen ihren Orthopäden wegen Fußbeschwerden auf. Durch den aufrechten Gang unterliegen die Füße einer großen statischen Belastung. Bei erblicher Vorbelastung (Fußform, zu lockeres Bindegewebe) kann es im Laufe des Lebens zu einer zunehmenden Fehlstellung der Zehen mit daraus resultierenden Schmerzen kommen. Enge Schuhe können diese Fehlstellung begünstigen, sind jedoch nicht die Ursache dafür. Eine typische Fehlstellung ist das Abweichen der Großzehe nach außen verbunden mit eine Krallen- oder Hammerfehlstellung der anderen 4 Zehen. An der Innenseite des Vorfußes bildet sich eine schmerzhafte Vorwölbung, häufig mit begleitender Schleimbeutelentzündung. Typischerweise beklagen die betroffenen Patienten anfangs belastungsabhängige Beschwerden wie einen Druck im Bereich des Schuhwerks und in weiterer Folge Schmerzen in den betroffenen Zehengelenken. In fortgeschrittenen Fällen kann daraus eine Verschleißerkrankung des Zehengelenkes resultieren, die sogar zu belastungsunabhängigen Ruheschmerzen führen kann. Ein hinkendes Gangbild kann resultieren.
Behandlungsstrategien
Therapeutisch unterscheidet man zwischen der konservativen (nicht operativen) und operativen Therapie. Kriterien für die Wahl des geeigneten Therapieverfahrens sind einerseits das Ausmaß der Fehlstellung bzw. der Verschleißerkrankung und andererseits die vom Patienten beklagten Beschwerden. Die Behandlungsziele sind die Beseitigung der Schmerzen sowie die Aufhebung der Fehlstellung und damit die Verbesserung der Lebensqualität.
Konservative Behandlung
In Frühstadien der Fehlstellungen oder der arthrotischen Veränderungen kann durch eine nicht operative Therapie eine Beschwerdefreiheit oder Beschwerdelinderung herbeigeführt werden. Diese Therapieform besteht neben krankengymnastischen und physikalischen Therapieanwendungen in der Verschreibung von Einlagen und orthopädischem Schuhwerk. Auch gezielte Injektionen können sinnvoll sein.
Operative Behandlung der Zehenfehlstellungen und Vorfußerkrankungen
Sollten konservativen Maßnahmen nicht helfen, so ist ein operativer Eingriff notwendig, um die gestörte Funktion des Fußes und die damit verbundenen Schmerzen zu beseitigen.
In der Orthopädischen Klinik Braunschweig werden zahlreiche Operationen im Bereich der Zehen und des Vorfußes durchgeführt. Es wird eine differenzierte Behandlungsstrategie orientiert am Grad der Fehlstellung, der Beschwerdesymptomatik bzw. des Arthrosegrades angeboten. Bei reinen Fehlstellungen der Großzehe orientiert sich die Art des Behandlungsverfahrens und damit die Aufwändigkeit der Nachbehandlung an dem radiologischen Befund des Vorfußes. Sowohl der Grad der Arthrose im Großzehengrundgelenk als auch die Stellung des 1. Mittelfußknochens zum 2. Mittelfußknochen bestimmen die Wahl des Operationsverfahrens. Sowohl resezierende, d.h. unter Entfernung von Knochenteilen durchzuführende Operationsverfahren als auch umstellende Operationsverfahren kommen zur Anwendung. Bei Fehlstellung der 2. bis 5. Zehe wird in der Orthopädischen Klinik Braunschweig ebenfalls ein differenziertes Therapieschema angeboten.
Die Operationen können entweder ambulant oder stationär durchgeführt werden. Bei den aufwändigeren Operationen empfiehlt sich eine stationäre Behandlung. Die Rehabilitation beginnt bereits am 1. Tag nach der Operation. Für alle Fälle werden der Therapieform exakt angepasste Behandlungsschemata angewandt.
Nachbehandlung
Die Art der Nachbehandlung richtet sich nach dem Aufwand bzw. dem Umfang des Eingriffes.
Bei kleineren Operationen kann der Patient sofort nach der Operation unter Verwendung einer entsprechenden Schuhversorgung für die ersten 4 Wochen direkt voll belasten. Bei aufwändigen Operationsverfahren im Mittelfußknochenbereich muß in bestimmten Fällen die betreffende Extremität entlastet werden. Im Falle einer Arthrose des Großzehengrundgelenkes sowie des Gelenkes zwischen dem Mittelfußknochen und dem Fußwurzelknochen kommen gelenkversteifende Maßnahmen zur Anwendung.
Fußchirurgie ist keine Schönheitschirurgie
Die Aufgabe der Fußchirurgie besteht darin, Schmerzen zu beseitigen. Kosmetische Probleme sind nicht der alleinige Grund für einen operativen Eingriff.