Die Kinderorthopädie ist eines der wichtigsten Arbeitsfelder innerhalb der Orthopädie. Der Begriff „Orthopädie" kommt aus dem griechischen und beinhaltet die Wörter „aufrecht" und „erziehen". Damit ist die Aufgabe eindeutig beschrieben: Die Früherkennung von Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates (also der Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen) zur frühestmöglichen Behandlung derselben und zugleich zur Vermeidung von Spätschäden.
Der Kinderorthopäde kann beurteilen, wann und wo vorbeugend eingegriffen werden muss, wann möglicherweise auch eine Operation notwendig ist, aber auch, welche Auffälligkeiten sich im Laufe der Entwicklung selbst kurieren können.
Vieles, was im Erwachsenenalter zu bleibenden Problemen werden kann, lässt sich beim Kind noch richten oder begradigen. Die Beratung bei der Berufswahl kann spätere Erkrankungen verhindern. In der Operationsverhütung liegt eine der Hauptaufgaben der Orthopäden - Krankheitsbilder früh genug zu erfassen und so zu behandeln, dass eine Operation nicht notwendig wird
Ca. 5 von 100 Kindern weisen in ihrer gesamten Wachstumsphase Erkrankungen am Bewegungsapparat auf - ein verhältnismäßig hoher Anteil, der die Wichtigkeit der Kinderorthopädie unterstreicht.
Erkennung und Diagnose der Erkrankungen
Häufig werden äußerliche Fehlstellungen des Körpers zufällig entdeckt, weil sie sich in der Anfangsphase der körperliche Entwicklung „verbergen". In seltenen Fällen kommt es auch zu schmerzhaften Veränderungen. Der erste und wichtigste Schritt ist die Untersuchung durch einen erfahrenen Orthopäden, der einen Großteil der Veränderungen sicher erkennen kann.
Für speziellere, weitergehende Untersuchungen stehen die Ultraschalluntersuchung (z.B. die Hüftuntersuchung bei Neugeborenen in den ersten Lebenswochen), das klassische Röntgen und bei besonderen Fällen auch die Kernspintomographie zur Verfügung.
Typische Krankheitsbilder
Zu den häufigen Erkrankungen des Bewegungsapparates zählen bei den Neugeborenen die angeborene Hüftverrenkung (Hüftdysplasie / -luxation) und Fußfehlstellungen (Klumpfuß). Im Laufe des weiteren Wachstums zeigen sich oftmals Abweichungen der Beinachsen (X- / O-Bein), Verkrümmungen der Wirbelsäule („Buckelbildung", Skoliose) und weitere Fußfehlstellungen. Hinzu kommen Erkrankungen der Gelenke und des Gelenkknorpels wie z.B. Durchblutungsstörungen des Knochens (Morbus Perthes, Osteochondrosis dissecans) oder Verrutschen der Knochen an den Wachstumsfugen (Epiphysiolyse).
Neuroorthopädie
Dieses Fachgebiet befasst sich mit Veränderungen des Bewegungsapparates infolge Erkrankungen des Nervensystems. Hierdurch kommt es zu mehr oder weniger stark ausgeprägten körperlichen und / oder geistigen Behinderungen. Hier hat die frühe und kompetente Behandlung der körperlichen Veränderungen sowie die Förderung der Entwicklung unter Berücksichtigung der verminderten Leistungsfähigkeit besondere Bedeutung.
Zur Neuroorthopädie gehören u.a. die Behandlungen bei Cerebralparesen (Patienten mit Spastik), Spina bifida (angeborene Querschnittslähmung, Myelomeningocelen), und Muskelerkrankungen (z.B. Muskeldystrophien).
Konservative (nichtoperative) Therapie
Hierzu zählen die Übungsbehandlung per Krankengymnastik, die Behandlung von Gelenken mit Korrekturschienen (Orthesen) oder Gipsverband (z.B. beim Klumpfuss des Neugeborenen) und die Versorgung mit speziellen Schuhen bzw. Schuheinlagen.
Bei Muskelverkürzungen können Injektionen mit Botolinumtoxin (Botox) hilfreich sein. Eine Behandlung muss wegen des im Wachstum befindlichen Knochens äußerst genau beurteilt und über einen großen Zeitraum beobachtet werden.
Hilfsmittel
Eine angepasste Versorgung mit notwendigen Hilfsmitteln wie z.B. Geh- und Stehhilfen oder Rollstühlen kann die Mobilität der Kinder und die Vereinfachung der Versorgung durch die Eltern ermöglichen.
Operative Therapie
Wenn sich Fehlstellungen konservativ nicht ausreichend behandeln lassen, können operative Verfahren notwendig werden - gerade wenn eine Besserung im Wachstumsverlauf nicht zu erwarten ist. Die operativen Möglichkeiten reichen hierbei von z.B. einfachen Sehnenverlängerungen und -ver-setzungen bis hin zu komplizierten knöchernen Korrekturen. Eine wochenlange Nachbehandlung mit Gipsen und Schienen ist dabei nicht selten notwendig, um den Kindern später möglichst mobiles Leben zu ermöglichen.
Kinderorthopädie im HEH
Alle beschriebenen Untersuchungen und Behandlungen werden im HEH von erfahrenen Kinderorthopäden durchgeführt. Speziell ausgebildete Kinderkrankenschwestern sorgen mit dafür, dass die Behandlung so erfolgreich und angenehm wie möglich ist.
Selbstverständlich haben Eltern bei uns die Möglichkeit, während einer stationären Behandlung im Zimmer ihrer Kinder zu übernachten.